Gedenkreihe «Gegen das Vergessen»


Die Gedenkveranstaltungen finden zu runden Geburts- oder Todestagen von regionalen Autor:innen und Poet:innen statt
als Retrospektive und Würdigung ihres Schaffens und – um das Andenken an Leben und Werk lebendig zu halten.

 

Die Veranstaltungsreihe wurde 2018 ins Leben gerufen, untenstehend sind diese dokumentiert.
2023 finden insgesamt 6 Veranstaltungen statt.


Jahresprogramm 2023

 

Vernissage – retrospektive Schlussausstellung, Freitag, 17.11.2023 // 17.–25.11.2023

Das Kollektiv um andreasschneider (bildende Kunst, Multimedia) und Julian Salinas (Fotografie) setzte sich gestalterisch mit den jeweiligen Werken auseinander, die wir ins Zentrum der Gedenkanlässe stellten. Die dabei entstandenen Bilder, Objekte und Installationen wurden vom 17.–25. November im Rahmen einer Abschlussausstellung gesammelt gezeigt.

 

Beispiele der Interventionen aus dem Jahr 2023 finden Sie unter www.andreasschneider.name/Tag-der-Po-esie-M-O und www.andreasschneider.name/MERET-Art-vs-Poesie.

 

 

 Julian Salinas (*1967 in Düsseldorf) lebt und arbeitet in Dornach und Basel.

Seit 1995 selbständig als Künstler und Fotograf. Er beschäftigt sich, neben ausgewählten kommerziellen Projekten, mit Foto- und Videoarbeiten für Ausstellungen und Publikationen im Bereich Kunst und Architektur. Seit 2013 ist er Dozent für Architekturfotografie an der FHNW Muttenz (Institut Architektur). Sein Atelier befindet sich auf dem Dreispitzareal und er ist Vorstandsmitglied in der Genossenschaft Haus Oslo Ateliers. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in diversen Galerien und Museen in der Schweiz und dem nahen Ausland. Für seine Werke, die in vielen privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten sind, wurde er mehrfach ausgezeichnet. www.juliansalinas.ch

 

 

andreasschneider (*1969 in Basel) lebt und arbeitet in Basel. Nach einer Lehre als Hochbauzeichner beschäftigt er sich mit Design und Architektur. Als Autodidakt arbeitet er seit 2005 an seiner künstlerischen Bildung sowie Vernetzung und Positionierung in der Welt der Kunst: «Raum und Ort sind die Ausgangslage für meine Arbeiten. Zentral ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes sowie der Bezug zu dessen Nutzung und zum Ereignis. Mein Schaffen ist mehrheitlich skulptural und tendenziell grossformatig. Dadurch werden die künstlerischen Interventionen an kräftigen und bereits stark ausformulierten Plätzen, Orten, in und an Gebäuden, sicht- und erlebbar. In einer bewegten und digital orientierten Welt möchte ich das Vergessene wiederkehrend mit einer konzeptionellen Ausformulierung in die heutige Zeit und an den heutigen Ort transferieren und damit in Dialog bringen. Thematisiert werden dadurch der Mensch und seine Sehnsucht beziehungsweise seine Herausforderung, mobil und gleichzeitig verankert zu sein.» www.andreasschneider.name

 

 

14. Gedenkveranstaltung «Gegen das Vergessen» Donnerstag, 16.11.2023

Fritz Liebrich (1879–1936)

 

 

Fritz Liebrich wurde 1879 in Basel geboren und besuchte nach dem Humanistischen Gymnasium das Lehrerseminar in Basel. Von 1901–1934 war er als Lehrer am Sevogelschulhaus tätig. Nach expressionistischer hochdeutscher Lyrik wandte Liebrich sich ganz der Mundartdichtung zu und war ein bedeutender Mundartlyriker und -dramatiker, daneben auch Feuilletonist. Als Hebelforscher verfasste er 1918 eine Biographie über Johann Peter Hebel und schrieb 1920 das Dialektdrama Masken. Es folgten Mundartgedichte Die Stille Gasse (1924), die hochdeutschen Gedichte Meine Stadt (1925) und die Arbeit Johann Peter Hebel und Basel (1926), D'Fähri (1932) eine Sammlung von Dialektgeschichten und posthum die Die baseldeutschen Gedichte (1979). In seinen formvollendeten und sprachlich reichen Gedichten werden baslerische Motive symbolisch überhöht und damit aus dem rein Lokalen herausgehoben. Fritz Liebrich war Mitglied des PEN-Clubs, des Schweizerischen Dichtervereins, der Schweizerischen Literaturfreunde, der Basler Hebelstiftung und der Odd-fellows-Loge Nr. 11 Zu den drei Ringen.
Quelle: https://www.dreylanddichterweg.eu/fritz-liebrich

 

D Fääri

 

Si goot so rueig allewyyl hiin und häär,

drait alles iber s Wasser, nyt isch z schwäär.

De zaalsch dy Batze, gmietlig sitzisch doo.

E weeneli ruuscht s, e weeneli duuslet s soo

und pflotscht im Wasser. Äänedraa stygsch uus.

Was findsch? E nooche Wääg, am Änd dy Huus.

Velicht au Rue. Si nimmt di still in Aarm

und mummelet di yy, verschyycht der Schwaarm

vo Mugge, Soorge, wo no stygt und fallt

und sich um d Seel wie beesi Gaischter ballt.

Hee, Fäärimaa, Schällehaup! Mach schnäll, faar zue!

An s ääner Uufer, in die ääneri Rue!

 

In: Die baseldeutschen Gedichte 1979

Fritz Liebrich, Basel (1879–1936)

 

pflotscht: platscht, plätschert

mummelet: hüllt

Mugge: Mücken

Schällehaup: alter Mahnruf

ääneri: jenseitige

 

 

 

13. Gedenkveranstaltung «Gegen das Vergessen» Donnerstag, 24.08.2023

Rainer Brambach (1917–1983) zum 40. Todestag

 

«Der Lyriker Rainer Brambach (1917–1983) hinterliess rund 140 Gedichte und zwei Dutzend kurze Erzählungen:
kein grosses, aber ein ausserordentliches und sehr eigenständiges Werk.


Rainer Brambach, in Basel zur Welt gekommen, war der Sohn einer Berner Herrschaftsköchin und eines deutschen Klaviertechnikers. Wegen der Herkunft seines Vaters war auch er für die Schweizer Behörden ein Deutscher, und im Januar 1939 wurde er nach Deutschland ausgewiesen. Nach einem Monat im Reichsarbeitsdienst drohte Brambach die Einberufung in die Wehrmacht. Doch er floh zurück in die Schweiz, wurde hier interniert, ausgebürgert und schliesslich staatenlos. Damals begann er zu dichten. Der Lyriker, Gelegenheitsarbeiter und Gartenbauer war in der Literaturszene der Nachkriegszeit eine Ausnahmeerscheinung. Er veröffentlichte Texte in renommierten Literaturzeitschriften und gewann, noch bevor sein erster Gedichtband veröffentlicht war, zwei Lyrikpreise.»

Quelle & Buchtipp:
Rainer Brambach – Ich wiege 80 Kilo und das Leben ist mächtig. Zürich: Diogenes Verlag, 2016. Hg. von Isabelle Koellreuter und Frankziska Schürch. www.schuerchkoellreuter.ch

 

Leben

 

Ich schreibe keine Geschäftsbriefe,

ich beharre nicht auf dem Termin

und bitte nicht um Aufschub.

Ich schreibe Gedichte.

 

Ich schreibe Gedichte auf Rummelplätzen,

in Museen, Kasernen und Zoologischen Gärten.

Ich schreibe überall,

wo Menschen und Tiere sich ähnlich werden.

 

Viele Gedichte habe ich den Bäumen gewidmet.

Sie wuchsen darob in den Himmel.

Soll einer kommen und sagen,

diese Bäume seien nicht in den Himmel gewachsen.

 

Dem Tod keine Zeile bisher.

Ich wiege achtzig Kilo, und das Leben ist mächtig.

Zu einer anderen Zeit wird er kommen und fragen,

wie es sei mit uns beiden.

 

Rainer Brambach (1917–1983)

Aus: Wirf eine Münze auf. Gedichte zwischen 1958 und 1977. Zürich: Diogenes Verlag, 1977.

 

 

 

 

12. Gedenkveranstaltung «Gegen das Vergessen» Mittwoch, 14.06.2023

Iris von Roten (1917–1990) zum 65. Erscheinungsjahr des feministischen Klassikers "Frauen im Laufgitter" (1958)

 

Die 1917 geborene Iris von Roten war eine Schweizer Juristin, Journalistin und Feministin. Nach dem Studium in Bern lebte sie mit ihrem Mann Peter von Roten im Wallis, bevor sie 1951 nach Basel an den Heuberg 12 zogen. Neben ihrer Arbeit als Anwältin schrieb von Roten hier das Buch Frauen im Laufgitter. Das 1958 erschiene Werk wurde zum feministischen Klassiker der Schweiz. Die Juristin untersuchte darin die patriarchalen Mechanismen der Gesellschaft und forderte kompromisslos die Gleichberechtigung der Geschlechter auf allen Ebenen – nicht nur politisch, sondern auch in der Arbeitswelt, der Ehe, in Kindererziehung und Haushalt, und in der Sexualität. Die Streitschrift löste weitherum Empörung, doch zur grossen Enttäuschung der Autorin kaum eine vertiefte inhaltliche Debatte aus. Auch unter Frauen stiess von Roten mit ihren für die damalige Zeit radikalen Forderungen oft auf Ablehnung. Als wenige Monate später zwei Drittel der Schweizer Männer das Frauenstimmrecht in der ersten nationalen Abstimmung ablehnten, analysierte sie dieses Stimmverhalten 1959 messerscharf im witzig und sarkastisch formulierten «Frauenstimmrechtsbrevier». In den 1960er und 1970er Jahren galt Iris von Rotens Interesse zunehmend fernen Ländern und Gesellschaften. Als Reiseschriftstellerin und Malerin hielt sie ihre Eindrücke fest. Von gesundheitlichen Problemen gezeichnet, beendete Iris von Roten ihr Leben 1990.

 

«Hier ist das Buch, das ich mit zwanzig Jahren gerne gelesen hätte, aber nicht fand. Es ist für die Jugend geschrieben. (…)

Verfasst ist das Buch für weibliche Jugend, die das «Unmögliche» will, und für jene wenige Männer, die soviel curiosité d’esprit besitzen, um sich dafür zu interessieren, wie die Männerherrschaft von der anderen Seite her aussieht.»

 

Iris von Roten

Basel, im Mai 1958

 

Aus dem Vorwort zur Erstauflage von Frauen im Laufgitter. Offene Worte zur Stellung der Frau. Verlag Hallwag Bern, 1958.

 

 

 

11. Gedenkveranstaltung «Gegen das Vergessen» Donnerstag, 30.03.2023

Anne Blonstein (1958–2011) zum 65. Geburtstag

 

Anne Blonstein wurde in England geboren. Studium der Naturwissenschaften in Cambridge. Seit 1983 lebte sie in Basel, wo sie einige Jahre in der biomedizinischen Forschung tätig war. Danach arbeitete sie als freie Autorin und Übersetzerin. Mehrere ihrer auf Englisch geschriebenen Gedichte und Texte wurden von der Komponistin Mela Meierhans vertont.

 

 

PARKAEOLOGY

squashed into the chalky perimeter path

by jogging soles and pushchair wheels

the large catkins of an exotic tree

resemble fossilized worms

when excavators identify

one central avenue as lined by

white-flowered horse chestnuts

  its perpendicular other

by pink-blossomed trees

will they extrapolate a society

                               fearful of random processes?

 

kannenfeldpark basel

In: Anne Blonstein, 8 of stones, 2011.

 

 

 

10. Gedenkveranstaltung «Gegen das Vergessen» Donnerstag, 02.02.2023

Meret Oppenheim (1913–1985) zum 110. Geburtstag

 

Zur Ausstellung Meret Oppenheim. Mon exposition hat das Kunstmuseum Bern ein Digitorial® lanciert, das in fünf Kapiteln verschiedene Stationen in Oppenheims künstlerischer Entwicklung nachzeichnet. Darunter ihr erster Aufenthalt in Paris und ihr daraus resultierendes internationales Netzwerk, ihre Rückkehr nach Basel und die darauffolgende Krise, die sich auch in ihrem künstlerischen Schaffen äusserte, der Umzug nach Bern, wo sie Teil einer neuen avantgardistischen Kunstszene wurde, ihre Auffassung eines «androgynen Geistes» in der Kunst und die grosse Anerkennung, die ihr einige Jahre vor ihrem Tod zuteilwurde. 

 

Das Digitorial® ist online abrufbar, frei zugänglich und ermöglicht Kunstinteressierten aller Altersgruppen einen Einblick in Leben und Werk Oppenheims. Es eignet sich als digitales Vermittlungsinstrument sowohl zur Vorbereitung und als Vertiefung der Ausstellung, kann aber auch unabhängig davon besucht werden. Link: meretoppenheim.kunstmuseumbern.ch

 

Bild Startseite: «Röntgenaufnahme des Schädels M.O.», 1964/1981, Silbergelatineabzug 40,5 × 30,5 cm, Hermann und Margrit Rupf-Stiftung, Kunstmuseum Bern

 

 

 

Oh große Ränder an meiner Zukunft Hut!

Wie sprießen die Blumen, der Himmel wälzt sich im

Meer. Die Fische tragen seinen Schleier, und ohne die

Korallen zu verletzen, eilen sie hurtig von Stein zu Stein

und saugen den Quallen ihren Honig aus, um ihn auf

ungehobelten Brettern ihrem König darzubringen.

Seine goldnen Tressen klettern an ihm auf und ab, die

Ringe rollen um sein breites Haupt, seine Füße

werden von seinen Händen liebkost, und die Sonne

selbst erwärmt sein Herz.

 

Aus: «Warum ich meine Schuhe liebe». Mode – Zeichnungen und Gedichte.

Hg. von Christiane Meyer-Thoss. Berlin: Insel Verlag, 2013.

 


Die erste Veranstaltung in dieser Reihe fand im Rahmen des Tag der Poesie 2018 statt und war Daniel Walter gewidmet, der am 9. September 2018 vor genau 10 Jahren aus dem Leben schied. Am Samstag, 08.09.18, als Schlusspunkt der «Poesie-Karawane» erzählte Matthyas Jenny auf der Ueli-Fähre aus dem Leben von Daniel Walter und las Auszüge aus dessen Nachlass.

 

 

2. Gedenkveranstaltung «Gegen das Vergessen» Montag, 05. November 2018

Manfred Gilgien (05.11.1948–09.11.1993) – 25 Jahre

18 Uhr – Textbistro, Philosophischer Salon von Dominique Zimmermann,
Turnerstrasse 30, 4058 Basel

 

Matthyas Jenny erzählt aus dem Leben des Baslers und liest Gedichte und Prosa vor.

Es gibt nur ein Buch von ihm: «Strassen-Tango – Gedichte und Prosa» das 1978 im Verlag Nachtmaschine Basel erschienen ist (2. Auflage 2005 mit einem Vorwort von Hansjörg Schneider). Der poète maudit Manfred Gilgien ist vor 25 Jahren verstorben, er wurde auf dem Friedhof Arlesheim beerdigt.

 

 

3. Gedenkveranstaltung «Gegen das Vergessen» Samstag, 15. Dezember 2018

Ewald Käser (19.08.1942–15.12.2003) – 15 Jahre

17 Uhr – Café Jêle, Mülhauserstr. 129, 4056 Basel

 

Linda Stibler erzählt aus Ewald Käsers Leben als Journalist, Redaktor, Jazzarchivar und Dichter – begleitet von der Jazzband StandART mit Helene Stehli (Voc), Andi Schneider (Piano) und Roger Morger (Tenor/Sopran-Saxophon).

 

Ewald Käser ist in Rheinfelden aufgewachsen. In Basel besuchte er das Realgymnasium. Ab 1962 studierte er an der Universität Basel bei Walter Muschg Germanistik. Unter dem Eindruck der Ereignisse des Jahres 1968 gab er das Studium auf und wandte sich dem engagierten Journalismus zu. Journalist und Redaktor bei der National-Zeitung und der Basler AZ.

 

 

4. Gedenkveranstaltung «Gegen das Vergessen» Samstag, 19. Januar 2019

Christoph Mangold (17.03.1939–19.01.2014) – 5 Jahre

16:30 Uhr – im kleinen Literaturzimmer der Bachletten Buchhandlung, Bachlettenstrasse 7, 4054 Basel

 

Matthyas Jenny erzählt aus Christoph Mangolds Leben (er war damals sehr oft in der Bachletten Buchhandlung) als Journalist und Dichter und liest Gedichte aus dem Gedichtband «Gras anmalen» (1980 Verlag Nachtmaschine Basel).

 

Christoph Mangold (* 17. März 1939, † 19. Januar 2014) ist in Basel geboren und gestorben. Er arbeitete als Journalist, Werbetexter, Lektor und Kritiker. Neben Prosa und Lyrik schrieb Mangold auch Hörspiele. Ab 1964 publizierte er unter dem Pseudonym Lynkeus. Er war Mitglied der Gruppe Olten, des PEN, des VSJ (Verband der Schweizer Journalistinnen und Journalisten) und der Partei der Arbeit. Er lebte in Basel und Dalmatien.

 

 

 

5. Gedenkveranstaltung «Gegen das Vergessen» Montag, 21. Januar 2019

Cécile Ines Loos (04.02.1883 in Basel – 21.01.1959 in Basel) – 60 Jahre

18.00 Uhr – Textbistro, Philosophischer Salon von Dominique Zimmermann, Turnerstrasse 30, 4058 Basel

 

Die Basler Dichterin Isabelle Schaub liest eine Hommage – anschliessend berichtet Dr. Charles Linsmayer über Cécile Ines Loos und ihre schweren letzten Jahre in Basel. Dazu ein Zitat: «...nun aber kann ich auch nicht plötzlich aufhören zu leben, auch wenn ich nichts anderes verdiene als die Fr. 62.– Alterskasse.» (An Franz Beidler, 1.4.1952).

Weitere ausführliche Informationen über das tragische Leben von Cécile Ines Loos finden Sie hier.

 

6. Gedenkveranstaltung «Gegen das Vergessen» Freitag, 22. Februar 2019

zum 20. Todestag der Baselbieter Mundartdichterin Helene Bossert

19.30 Uhr im Dichter- und Stadtmuseum, Rathausstrasse 30, 4410 Liestal          

www.dichtermuseum.ch

 

Die in Zunzgen aufgewachsene Helene Bossert (08.04.1907–21.02.1999) wurde mit ihren Gedichten und Hörspielen bekannt, bevor sie 1953 an einer Studienreise in die Sowjetunion teilnahm. Diese Reise auf der Höhe des Kalten Krieges machte sie und ihre Familie zum Opfer einer antikommunistischen Diffamierungskampagne in der Presse und ernsthafter Schikanierungen an ihrem damaligen Wohnort Sissach. Erst 1970 wurde Bossert rehabilitiert.

Der Basler Autor, Verleger und Literaturaktivist Matthyas Jenny und der Museumsleiter Stefan Hess stellen die engagierte und zugleich einfühlsame Dichterin vor und berichten aus ihrem ereignisreichen Leben. Jennys Reihe ‹Gegen das Vergessen› erinnert an Dichterinnen und Dichter von Basel-Stadt und Baselland, jeweils an runden Todestagen. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Dichter- und Stadtmuseum.

 

 

7. Gedenkveranstaltung «Gegen das Vergessen» Dienstag, 09. April 2019

Dieter Fringeli (17.07.1942 – 09.04.1999) – 20 Jahre

 

19 Uhr im Raum für Poesie Basel, Kembserweg 7, 4055 Basel

 

Dieter Fringeli war Schriftsteller, Dichter, Essayist, Herausgeber und Publizist, sowie Dozent an der ETH Zürich / University of Southern California und Redaktor der Basler Nachrichten/Zeitung.

 

Gedichte: 11 Gedichtbände u.a. Zwischen den Orten (1965); Was auf der Hand lag (1968), Ich bin nicht mehr zählbar (1978); Unter mir gesagt (1991) - u.a.

Prosa, Essays: 9 Titel u.a.: Die Optik der Trauer – Alexander Xaver Gwerder (1970); Dichter im Abseits – Schweizer Autoren von Glauser bis Hohl (1974); Nachdenken mit und über Friedrich Dürrenmatt (1977); Reden und andere Reden – Politik und Sprache (1979); Das Heimatlos – Herkommen und Hingehen (1995) - u.a.

Herausgeberschaft: 5 Titel u.a.: Gut zum Druck – Literatur der Deutschen Schweiz seit 1964 (1972); Mach keini Schprüch – Schweizer Mundartlyrik des 20. Jahrhunderts (1981); Haltla – Basel und seine Autoren (1978) - u.a.

 

Alle Bücher von Dieter Fringeli liegen zur Ansicht an der Veranstaltung auf.

Das einzige vor Ort kaufbare Buch ist: ich bin mein gutes recht. Gedichte aus dem Nachlass mit einem Vorwort von Adolf Muschg und einer CD mit zehn Lieder von Daniel Weissberg, Verlag Nachtmaschine Basel 2005, CHF 25.00.

Programm ab 19 Uhr:
Alisha Stöcklin, Präsidentin Verein Tag der Poesie, stellt den neuen «Raum für Poesie» vor.
Matthyas Jenny stellt den Dichter, Schriftsteller und Herausgeber Dieter Fringeli vor und liest Gedichte. 
Ulla Fringeli erzählt aus dem Leben von Dieter Fringeli. 

Ulla Fringeli war ab 1978 erste Koordinatorin für Öffentlichkeitsarbeit bei der Uni Basel; von 1991 bis 2017 redaktionelle Leitung des «Schwarzbueb, Jahr und Heimatbuch des Schwarzbubenlandes und Laufental» (1923 gegründet von Albin Fringeli, 24.03.1899-07.07.1993, Vater von Dieter Fringeli).

 

 

 

8. Gedenkveranstaltung «Gegen das Vergessen» Mittwoch, 01.05.2019

Andreas Baltasar Wenger (29.10.1950 – 01.05.1984) – 35 Jahre

 

19 Uhr im Lesesalon, Oberwilerstrasse 22, 4054 Basel | Eintritt: Kollekte | mit anschliessendem Apéro

 

1955 zog die Familie von Buus nach Kleinhüningen ins Arbeiterquartier von Basel.

Andreas brach im Herbst 1969 die Handelsmaturschule ab. Er arbeitete danach in der Buchhandlung Wepf und u.a. als Sekretär bei einem Architekten.

Er schrieb viele Gedichte und Prosa und hatte einige Lesungen in Basel – u.a. im Oberlichtsaal der Kunsthalle Basel. Im Mai 1974 zog er nach Berlin wo er in der wissenschaftlichen Buchhandlung Rottacker Arbeit fand und ununterbrochen weiterschrieb. 1975 oder 1976 zog er wieder nach Zürich wo er in der wissenschaftlichen Buchhandlung Freihofer arbeitete. Andreas Baltasar Wenger schrieb Gedichte, 2 Romane, Erzählungen und Kurzgeschichten.

 

Er veröffentliche insgesamt 8 Gedichtbände im Eigenverlag:

1971 plastic.computerblues – lyrische maschinen

1973 Nachtfalter April – Ein Lyrisches Epos

1974 zeitspuren aufgebrochen, Gedichte

1976 vage zeichen aus den mauern der stadt, Gedichte – Edition November

1976 Worte gegen das Lebendige gefrieren zu Inseln der Ohnmacht – Edition November

1978 Im Räderwerk der kargen Jahre, Gedichte – Edition November

1982 Fährte in Nirgends, Gedichte – Edition November

1984 Momente strikter Ästhetik, Gedichte - Edition November

1970 Texte für die Rockband «Toad» die im damaligen Bierkeller im Kleinbasel spielten.

2005 Ein glückliches Leben – 7 Erzählungen aus dem Nachlass – Verlag Nachtmaschine Basel

 

 

9. Gedenkveranstaltung «Gegen das Vergessen» Sonntag, 09.02.2020

Hilde Ziegler (20.06.1939–09.02.1999) – 21 Jahre

 

17 Uhr im «Raum für Poesie», Kembserweg 7, 4055 Basel | Eintritt: Kollekte | Apéro

 

Matthyas Jenny: Begrüssung, Einführung, Moderation

Alisha Stöcklin liest aus dem Buch: Während der Verlobung wirft einer einen Hering an die Decke (Lenos)

Hans Hollmann und Urs Bihler sprechen über ihre Begegnungen mit Hilde Ziegler.

Elsbeth Rüedi zeigt zahlreiche Porträts von Hilde Ziegler.

 

im Anschluss wird ein Film gezeigt:

Je nachdem, wie der Wind weht, hört man die Glocken von Basel oder die Schüsse im Elsass (1990, 65 Minuten)

Regie: Peter Reichenbach, Nicolas Ryhiner/Kamera: Walter Hasenfratz.

 

1988 erschienen ihre Kindheitserinnerungen Während der Verlobung wirft einer einen Hering an die Decke

1999 folgte der Band Guten Morgen und Goethe Nacht mit Kolumnen

(1991–99 für die Dreiland-Zeitung geschrieben, damals eine Beilage der Basler Zeitung)

 

Mit ihrem ersten Buch Während der Verlobung wirft einer einen Hering an die Decke machte sich die Schauspielerin Hilde Ziegler auch als Autorin einen Namen. Sie kehrt darin in die Zeit und in das Dorf ihrer Kindheit zurück, nach Weil am Rhein – 700 Meter von der Schweizer Grenze, drei Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Die Erinnerungen des Mädchens setzen sich zu einem eindrücklichen Bild zusammen, welches das Leben in einem Grenzort – «je nachdem, wie der Wind weht, hört man die Glocken von Basel oder die Schüsse im Elsass» – in einer schwierigen Zeit darstellt. Entstanden ist eine eigenwillige Chronik der Kriegs- und Nachkriegsjahre.

 


Herzlichen Dank!

Herzlichen Dank für die Unterstützung im Jahr 2024:


Scheidegger-
Thommen-Stiftung


Wir bedanken uns für die Standortbewilligung der Poesietelefonkabine bei der GGG Basel von 2019–2021